Warum wir machen, was wir machen

„Der beste Weg, etwas über Menschenrechtsarbeit zu lernen, ist an den Kämpfen und Bewegungen der einfachen Menschen teilzuhaben“, sagte der indische Rechtsanwalt Colin Gonsalves 2017, als er in Stockholm den Right Livelihood Award entgegennahm. „Wenn wir voneinander lernen, wird es uns gelingen, für die Menschen ganz praktische Ergebnisse mit grosser Wirkung zu erzielen.“ Mit diesen Worten bringt Gonsalves – ein furchtloser und unermüdlicher Vorreiter für soziale Gerechtigkeit – den Ansatz von Right Livelihood auf den Punkt. Es geht um einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel und um die Menschen, die mit ihrem persönlichen Engagement sowie mit ihrer praktischen und politischen Arbeit den grössten Herausforderungen unserer Zeit Lösungsansätze anbieten.

Für Right Livelihood ist klar: Eine gerechtere, friedliche und nachhaltige Welt für alle ist möglich – jede*r kann einen Unterschied machen!

Was unser Preis bewirkt

Mit einer würdevollen Ehrung, einem Preisgeld und öffentlichen Auftritten ist es nicht getan. Right Livelihood hat deswegen seit 1980 nicht nur 182 Persönlichkeiten und Organisationen aus 72 Ländern ausgezeichnet, sondern über die Jahre ein weltweites Netzwerk von Changemaker*innen geschaffen.

Der Preis bewirkt aber noch mehr: In vielen Fällen schützt die Auszeichnung die Preisträger*innen vor Behinderung ihrer Arbeit und vor Vergeltungsmaßnahmen von Polizei und Justiz für ihr Engagement. Nasrin Sotoudeh, Menschenrechtsverteidigerin aus dem Iran, die 2020 für eine medizinische Behandlung kurzzeitig aus der Haft entlassen wurde, führte dies unter anderem auf die Auszeichnung mit dem Right Livelihood Award zurück: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass die gerichtliche Erleichterung das Ergebnis Eurer tiefen Solidarität und Freundschaft ist.“

  • 2 2017 Laureates at a seminar in the Swedish Parliament in Stockholm Credit Wolfgang Schmidt

Warum wir den Preis ins Leben gerufen haben

Right Livelihood entstand aus dem Wunsch, couragierte Menschen auszuzeichnen, dies sich vor allem auch Umwelt- und Bildungsthemen widmen.

1979 wandte sich Jakob von Uexküll an die Nobelstiftung in Stockholm mit dem Angebot, zwei neue Nobelpreise zu finanzieren – einen Umweltpreis und einen, der speziell das Wissen von Menschen in armen Ländern fördert.

Die Nobelstiftung lehnte höflich, aber bestimmt ab. Daraufhin beschloss Jakob, den Right Livelihood Award zu schaffen. Sein Ziel war es, Menschen zu unterstützen, die für eine gerechte, friedliche und nachhaltige Welt kämpfen. Er verkaufte Teile seiner Briefmarkensammlung und begann, seine Idee umzusetzen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Briefmarken reichten aus, um dem Preis die nötige Starthilfe zu geben. Heute wird der Right Livelihood Award durch Spenden von Privatpersonen finanziert.

1980 erhält neben dem US- Bürger Stephen Gaskin, der ägyptische Architekt Hassan Fathy den ersten Right Livelihood Award. Fathy hatte traditionelle Bautechniken wie Lehmziegelhäuser in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt, wodurch es auch armen Menschen möglich war, ein eigenes Haus zu bauen. Seitdem ging der Preis an couragierte Menschen, die sich weiteren grossen Herausforderungen unserer Zeit stellen. Unter den Preisträger*innen finden sich zum Beispiel:

Der Australier Tony Rinaudo, auch der „Waldmacher“ genannt (2018). Rinaudo hat mit einer Technik Pionierarbeit geleistet, die Bäume aus den vorhandenen, oft noch intakten Wurzelsystemen heranwachsen lässt, die Rinaudo als "unterirdischen Wald" bezeichnet. Mit der von Bauern betriebenen Methode der natürlichen Regeneration hat Rinaudo allein in Niger 50.000 Quadratkilometer Land mit über 200 Millionen Bäumen wiederhergestellt.

Die Anwältin Yetnebersh Nigussie aus Äthiopien (2017). Sie setzt sich für Bildung und Menschenrechte ein, weil sie selbst die Erfahrung gemacht hat, dass sie diskriminiert wird, weil sie aus einem sogenannten Entwicklungsland kommt, jung und eine Frau ist - und blind. Sie kämpft unerschrocken für die Rechte von Frauen und Mädchen und inklusive Bildung – dadurch hat sich die Wahrnehmung von Behinderungen in ihrem eigenen Land und international verändert.

Die weltbekannte US-Journalistin Amy Goodman (2010). Sie ist Mitbegründerin von Democracy Now!, das seit 1996 eine tägliche und unabhängige Nachrichtensendung produziert, die in den USA und Kanada ausgestrahlt wird und einem Publikum in der ganzen Welt zugänglich ist. In einer Zeit, in der die Medien stark unter Druck stehen, hat Goodman den Stimmlosen eine Stimme gegeben und sich für einen freien Journalismus eingesetzt.

Der Hauptsitz von Right Livelihood ist in Stockholm, weitere Büros gibt es in Genf und Zürich. Die Stiftung verfügt über den besonderen Konsultativstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.

2006 trat Ole von Uexküll in die Fußstapfen seines Onkels Jakob und ist seitdem Direktor von Right Livelihood.

  • 3 2018 Laureate Tony Rinaudo credit Wold Vision Silas Koch

Unsere Werte

Right Livelihood steht für Mut, Visionen und langfristige Veränderungen. Wir arbeiten mit den klügsten Köpfen unserer Zeit zusammen. Right Livelihood ist Wegbereiterin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz: weil die Welt vor enormen ökologischen Herausforderungen steht, muss rasch gehandelt werden. Viele der Preisträger*innen sind Vorreiter*innen, nämlich frühe Befürworter *innen der dringenden weltweiten Klimamaßnahmen.

Wie und wo wir unsere Mittel einsetzen

Der Right Livelihood Award wird durch Spenden von Privatpersonen finanziert. Die Preisträger*innen bekommen ein Preisgeld von 1 Million SEK (rund CHF 100.000/ EUR 95.000).

Die Arbeit von Right Livelihood geht jedoch weit über die Verleihung eines Preises hinaus: Die Stiftung begleitet die Preisträger*innen ein Leben lang und wirkt als Sprachrohr und Schutzschild. Sie verschafft ihnen Gehör, setzt sich für sie ein, wenn ihr Leben und ihre Freiheit in Gefahr sind, und trägt ihre innovativen Lösungsansätze in die Öffentlichkeit.

  • 4 Laureates at the 30th Anniversary Conference in Bonn 2010 credit Wolfgang Schmidt

Was wir mit unserem Engagement bewirken

  • 182 Preisträger*innen aus 72 Ländern haben die Auszeichnung bislang erhalten – sie sind Visionär*innen aus unter anderem aus den Bereichen Klimaschutz, Bildung, Gesundheit und Menschenrechte.
  • Right Livelihood führt Bildungsaktivitäten durch - zur gegenseitigen Inspiration, Ermutigung und Befähigung. In Zusammenarbeit mit globalen Universitätsnetzwerken wie dem Right Livelihood College und dem Global Campus of Human Rights entwickeln und verbreiten wir Wissen über die Lösungen der Preisträger*innen. Über hundert akademische Einrichtungen in beiden Netzwerken auf der ganzen Welt helfen dabei, Vorlesungen und Seminare mit den Preisträger*innen zu veranstalten und andere Aktivitäten im Zusammenhang mit deren Arbeit zu organisieren.
  • Wir fördern den Erfahrungsaustausch: Right Livelihood strebt langfristige Kooperationen mit Institutionen und Organisationen an, um die Anliegen der Preisträger*innen zu unterstützen und zu fördern.

Unsere Vision für die Zukunft

Wir glauben an die Kraft unserer immer grösser werdenden Gemeinschaft mutiger Vordenker*innen, grundlegende Veränderungen auf der Welt zu bewirken. Denn: Eine andere Welt ist möglich. Zusammen mit den Preisträger*innen sind wir Teil der Lösung.

Portraet Claudia Lehnherr Mosimann 2
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Claudia Lehnherr Mosimann